deutsch-böhmische Wanderung (2003)

oder zu Fuß im deutsch – böhmischen Grenzgebiet unterwegs
Nachdem wir schon seit einigen Jahren in der Sächsischen Schweiz unterwegs sind, sollten auch die etwas entfernteren Gebiete kennen gelernt werden.
In diesem Jahr waren wir deshalb mehrere Male im „Schluckenauer Winkel“, im nördlichsten Teil Böhmens, unterwegs. Dieses Gebiet ist für Wanderungen wunderbar geeignet. Mehrere Fußgängergrenzübergänge in Hinterhermsdorf (2), Tanzplan, Sebnitz und Sohland (2) erschließen ein ruhiges, waldreiches Gebiet.
Zur Vorbereitung der Wanderungen wurden die Dresdner Buchhandlungen, von „Internationales Buch“ bis „Globetrotter“ auf den Kopf gestellt, um eine Landkarte, besser gesagt Wanderkarte, vom Gebiet südlich von Sohland einschließlich des böhmischen Teils, zu besorgen. Fehlanzeige! Will man nicht den Globus mitschleppen, müssen historische Karten des Landesvermessungsamtes, erstellt vor dem 2. Weltkrieg, helfen.
Unsere erste Wanderung begann im Spätwinter dieses Jahres in Hertigswalde bei Sebnitz. Ein kurzes Stück die Straße in Richtung Saupsdorf und dann den Dr.–Alfred–Meiche–Weg hinüber zum Wachberg. Schon hier bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende. Durch die Temperaturunterschiede – nachts Frost, am Tag Tauwetter – war unsere Wanderroute nicht der gemütliche Spaziergang auf breiten Waldwegen, sondern eher eine Schlitterpartie auf der Eisbahn. Am Wachberg vorbei in Richtung Weifberg führte der Weiterweg dann über die Nixdorfer Straße nach Nixdorf. Den Ort haben wir für dieses Mal nur gestreift. Das eigentliche Ziel für heute war der Tanzplan. Mit 598 m ist der „Sebnitzer Hausberg“ eigentlich die ganze Zeit zu sehen. Auf dem Bergplateau befindet sich eine Gaststätte, in der man für humane Preise essen und trinken kann. Leider war das Wetter im Laufe des Tages schlechter geworden, so dass der Ausblick vom Aussichtsturm nahezu null war. Bedingt durch die ungünstigen äußeren Bedingungen war die Zeit schon ziemlich fortgeschritten und so machten wir uns auf den Rückweg. Kurz vor dem Ziel, es war mittlerweile auch schon dunkel, kam das Bonbon der Tour. Das letzte Stück des Weges zur Straße war eine Eisfläche, die jedem Eismeister zur Ehre gereicht hätte. Uns blieben nur zwei Varianten – die des Umkehrens schließen wir mal aus – entweder auf dem Hosenboden zur Straße rutschen (Hoffentlich kommt kein Auto!) oder an einem ziemlich morschen Zaun nach unten hangeln. Die Variante des Hangelns ging gut und wir erreichten nach ungefähr 6 Stunden wieder das Auto.
Ein weiteres mal waren wir im September in diesem Gebiet unterwegs. Wieder war der Tanzplan das Ziel. Diesmal jedoch nicht aus südlicher Richtung, sondern von Norden her. Das Auto wurde an der Forellenschänke in Sebnitz abgestellt. Vorbei am Saurierpark – kleiner als Kleinwelka, aber vom gleichen Erbauer – erreichten wir den Grenzübergang nach Niedereinsiedel. Hier mussten wir erst einmal ein ganzes Stück die Straße durch den Ort laufen. Dabei wurde auch noch der Abzweig am Bad in Karolinsthal verpasst. Bei der Länge dieser Runde war es aber nicht weiter von Bedeutung. Vorbei an mehreren, für eine Nebenstrecke imposanten Eisenbahnbrücken erreichten wir über Nixdorf den Tanzplan. Dieses Mal hatten wir mit der Aussicht mehr Glück. Es ist schon ein toller Ausblick, der sich hier bietet. Durch die Schräglage der Sandsteinplatte ist man in diesem Gebiet wesentlich höher und kann deshalb das gesamte Gebiet der hinteren Sächsischen Schweiz von oben betrachten. Zurück am Auto waren diesmal rund 3 Stunden reiner Laufzeit vergangen.
Die dritte Tour war wieder etwas länger. Schon seit einiger Zeit hatten wir einen Blick auf das Khaatal geworfen. Es ist das Gebiet hinter dem Zschand und Hinterhermsdorf und die Verlängerung des Kirnitzschtales auf böhmischer Seite. Ausgangspunkt ist diesmal Hinterhermsdorf. Ein kleines Stück durch den Ort und dann die Hinterdaubitzer Straße hinunter ins Kirnitzschtal. Der Grenzübergang ist gut ausgeschildert und nach cirka einer dreiviertel Stunde erreichen wir das tschechische Gebiet. Auf dem nun folgenden Weg fuhren vor dem zweiten Weltkrieg die Fernbusse von Dresden nach Zittau. Aber keine Sorge, heute würden die das bei dem Zustand des Weges wahrscheinlich nicht mehr schaffen. An der Touristenbrücke verlassen wir den grün markierten Wanderweg im Khaatal und gehen über die Zeidlerburg, das Preußenlager und den Sternberg hinüber nach Zeidler. Der Sternberg erreichte in den neunziger Jahren traurige Berühmtheit, weil der Besitzer das denkmalgeschützte Gebäude abriss und dafür mehrere architektonisch „wertvolle“ Bungalows errichtete. Einen Vergleich kann jeder Wanderer an der Tafel vor dem Grundstück sehen. Der Weiterweg führt uns über Zeidler und das Grüne Kreuz zum Pirschken. Von hier hat man die Aussicht über den „Schluckenauer Winkel“ bis hinüber nach Deutschland. Nach mehreren Wochen der Kletterabstinenz hatten wir hier auch wieder die Möglichkeit, uns in ein Gipfelbuch einzutragen. Die Einstufung der Schwierigkeit des Weges überlassen wir Nachahmern. Vom Pirschken aus sind wir dann über Fürstenwalde und Altgrafenwalde nach Nixdorf gelaufen. Den Abschluss bildete die Besteigung des Turmes auf dem Weifberg bei Hinterhermsdorf. Von hier hatten wir noch einmal die Möglichkeit, unsere heutige Tagesrunde zu überschauen. Vorausgesetzt es ist gute Fernsicht, ist der Besuch dieses Turmes unbedingt zu empfehlen. Wieder war die Dämmerung eingebrochen, als wir nach sechseinhalb Stunden das Auto erreichten.
Die letzte Runde, die wir beschreiben möchten, hat ihren Ausgangspunkt in Sohland. Vom Parkplatz aus der grünen Markierung folgend geht es ständig ansteigend nach Neudorf. Nach einer guten dreiviertel Stunde ist der Grenzübergang erreicht und weiter geht’s erst einmal bergab. Wenige Meter hinter der Grenze verlassen wir den markierten Wanderweg und folgen den Markierungen der Radfahrer nach Röhrsdorf. Hier ist eine kleine Kapelle zu sehen, die sogar eine Turmuhr besitzt. Der Weiterweg, am Anfang noch unmarkiert, führt uns auf den Joachimsberg. Ein Wallfahrtskapelle, leider in keinem guten Zustand, zeigt, dass in früheren Zeiten hier ein reges Begängnis geherrscht haben muss. Das Ende des Abstiegs vom Joachimsberg bildet die Ortschaft Hainspach. Welche Bedeutung dieser Ort für die gesamte Umgebung einmal hatte, wird an dem Schloss sichtbar, das leider nur noch als Ruine zu sehen ist. Über Großschönau geht es weiter am Botzenberg, einem früheren Wahrzeichen des Schluckenauer Gebietes, der heute nach und nach durch einen Steinbruch abgebaggert wird, vorbei nach Kaiserswalde. Von der alten Kapelle auf dem Feld oberhalb des Ortes sind nur noch ein paar Mauern vorhanden. Dann erreichen wir, großteils auf nicht markierten Wegen, am Nachmittag Schluckenau. In das Zentrum des Ortes kommt man über die Beneš-Straße. Eigentlich sieht es hier ganz schön traurig aus. Von der wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes zeugen nur noch wenige Dinge. Nach einem kleinen Imbiss führt der Weiterweg nach Neugrafenwalde und Rosenhain. Das letzte Stück des Weges entlang der Straße nach Sohland ist eigentlich der unangenehmste Teil des Weges, aber bei einem Blick auf die Wanderkarte lassen sich mit etwas Kreativität bessere Varianten finden. Unsere Wanderung neigte sich nach sechs Stunden dem Ende zu. Als kleine Zugabe sollte man auf der Heimfahrt noch den Umweg über Obergurig wählen. Hier befindet sich eine sehr interessante Brücke. Vom Ansehen her erinnert sie einen an die alten Brücken in Italien und Griechenland. 1724 erbaut, wurde sie bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts vom Verkehr genutzt. Einzige wesentliche Instandhaltungsmaßnahme war die Reparatur einer Pfeilerstütze im Jahr 1741!
Für Leute, die auch mal zu Fuß unterwegs sein wollen, können wir dieses Gebiet nur empfehlen. Die Wege sind meist gut markiert und wer Ruhe sucht, kann diese hier finden. Besonders interessant war für uns, dass man hier noch immer sehen kann, was für ein bedeutendes Gebiet es vor der Vertreibung der Deutschböhmen war. Vieles ist verfallen. Orte, die einmal 1400 Einwohner zählten, bringen es heute noch auf 300. Aber die kleinen Dinge am Rande des Weges beeindrucken noch immer. Ob es die kleinen Kappellen sind oder die Häuser und Anwesen in den Ortschaften, die wieder in Ordnung gebracht wurden, dabei zum Teil mit einer Feinfühligkeit, die wir manchmal bei uns nicht haben.
Zur Charakteristik der Wanderung ist zu sagen, es ist nicht so steil wie in der Sächsischen Schweiz, aber bei unseren 6-stündigen Touren waren schon um die 25 Kilometer zu laufen und ein Höhenunterschied von über 500 m zu überwinden. Abschließend sei natürlich noch auf die böhmische Küche und das böhmische Bier hingewiesen – aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
PS.: Personalausweis nicht vergessen.